Besuch bei Verwandten

Das erste, was vielen zum Thema Humanevolution einfällt, ist der fachlich falsche Satz „Der Mensch stammt vom Affen ab“. Wie kann man den verwandtschaftlichen Zusammenhang von Menschen und Affen richtig beschreiben? Von den heute vorkommenden Primaten-Arten ist der Schimpanse unser stammesgeschichtlich nächster Verwandter. Seine Erbanlagen stimmen mit den unseren zu fast 99 % überein. Vor etwa 7-5 Millionen Jahren gab es einen gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpanse, dann trennten sich die Entwicklungslinien. Eine solche Artaufspaltung kann z.B. dadurch ausgelöst werden, dass die Gruppe der gemeinsamen Vorfahren durch eine Umweltkatastrophe für einen langen Zeitraum räumlich in zwei Gruppen getrennt wurde. In der Gruppe des Menschen-Vorfahren liefen andere Evolutionsvorgänge ab als in der Gruppe der Schimpansen-Vorfahren. Mensch und Schimpanse haben also einen gemeinsamen Vorfahren. Die heute existierenden Schimpansen und die heute existierenden Menschen unterscheiden sich aufgrund der evolutiven Veränderungen seit der Artaufspaltung voneinander. Da diese für evolutionäre Maßstäbe aber nicht lange zurückliegt, gibt es auch viele gemeinsame Merkmale bei Menschen und Primaten.

Als Einstieg in das Thema Humanevolution bietet sich eine Spurensuche bei den Primaten an. Ein solcher wissenschaftlich motivierter Verwandtenbesuch fand durch den Biologie LK und GK im 5. Semester am 15.11.17 im Zoo Münster statt. In der Zooschule lernten wir zunächst besondere Merkmale aller Primaten und ihre systematische Einordnung in Verwandtschaftsgruppen kennen. Bei der anschließenden Beobachtungsphase achteten wir besonders auf Form und Einsatz der Hand, die Sinnesorgane und die Fortbewegung der Primaten. Die Orang-Utans und Gorillas beobachteten uns genauso intensiv wie wir sie, sie schienen aber wenig beeindruckt. Immerhin gelang es einem Studierenden nachzuweisen, dass auch der Mensch zu Werkzeuggebrach in der Lage ist und mit einem Stöckchen an Nahrung gelangen kann. Während bei uns Menschen eher das Auge das wesentliche Sinnesorgan ist, ist es bei den Lemuren noch die Nase. Ein erfreulicher Nebeneffekt dieser Entwicklung ist, dass „Stinkduelle“ bei Kattas zum normalen Verhalten gehören, beim Menschen eher nicht. Nach der Auswertung unserer Beobachtungsergebnisse in der Zooschule halfen viele Studierende noch bei der Elefantenfütterung.

(Kristina Slotty)