Novelle als Theater

Das ist meine Geschichte!

So endete im Wolfgang Borchert Theater die Aufführung der Novelle „Die Marquise von O……“ von Heinrich von Kleist.

In der Inszenierung von Tanja Weidner ist die Marquise gewissermaßen eine Vorfahrin jener Frauen, die sich öffentlich zu ihren Gewalterfahrungen äußern. Die Zeit des Verschweigens hat ein Ende – aktueller kann ein Klassiker heute kaum sein.

Die Geschichte der Marquise wird in einer Ein-Personen-Inszenierung als Monolog radikal aus ihrer Perspektive mit den Worten Kleists erzählt. Ihre allmähliche Erkenntnis darüber, dass ihr angeblicher Retter sie geschändet hat, und ihr Zorn stehen im Mittelpunkt. Mit dem fehlenden Kleist’schen Schlusssatz widersetzt sich Rosana Cleve (in der Rolle der Marquise) der scheinbaren Lösung, die Kleist für ihr Verhalten liefert, nämlich den vergewaltigenden Retter zu heiraten. Wir als Zuschauer*innen waren herausgefordert, dem Zwiespalt auf den Grund zu gehen.

In dem sich anschließenden Theatergespräch mit der Regisseurin und der Schauspielerin hatten die mit dem Original vertrauten Teilnehmer*innen aus den Deutschkursen des 4.-6. Semesters die Möglichkeit, Eindrücke zu schildern, Irritationen zu äußern und Fragen zu stellen – alles in allem ein gewinnbringendes Erlebnis!

(Bertram)