Reproduktionsmedizin

Besuch im Institut für Reproduktionsmedizin

Das Institut für Reproduktionsmedizin der Universität Münster ist sowohl eine Forschungseinrichtung als auch eine Anlaufstelle für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch. Für den Biologie-LK des 4. Semesters bot sich im Institut die Gelegenheit, theoretisches Wissen aus dem Unterricht zu vertiefen und eine praktische Anwendung kennen zu lernen.

Unerfüllter Kinderwunsch betrifft etwa 16% aller Ehepaare und kann vielfache Ursachen haben. Das universitäre Kinderwunschzentrum in Münster ist besonders spezialisiert auf diejenigen Fälle, in denen die Ursachen des unerfüllten Kinderwunsches beim Mann liegen. Nach einer gründlichen Diagnose wird die passende Behandlungsmethode ausgewählt. Bei einer IVF (in-vitro-Fertilisation) findet die Befruchtung einer Eizelle mit einem Spermium in einer Kunststoffschale statt. Den Ablauf eines zweiten Verfahrens, der ICSI (intrazytoplasmatische Spermieninjektion) konnten wir in einem Film verfolgen: ein Spermium wird direkt durch eine Kanüle in eine isolierte Eizelle injiziert. In beiden Fällen werden im Anschluss maximal 3 befruchtete Eizellen in die Gebärmutter der Frau eingesetzt. Vielen ungewollt kinderlosen Paaren kann mit IVF oder ICSI oder einer anderen Therapie geholfen werden. Dafür müssen die betroffenen Paare mit einer hohen emotionalen Belastung während der Behandlungszeit und mit erforderlichen Hormontherapien umgehen. Darüber hinaus müssen die hohen Kosten der Kinderwunschbehandlung in den meisten Fällen zu 50% privat getragen werden. Problematisch ist die Entwicklung, dass die Paare, die sich in Kinderwunschberatung begeben, immer älter werden. Die Fruchtbarkeit der Frau sinkt mit dem Alter stark, während die Gefahr von Fehlern bei der Keimzellbildung steigt.

Neben der Vorstellung der Verfahren wurde auch das deutsche Embryonenschutzgesetz angesprochen. Nach diesem hat schon eine befruchtete Eizelle, bei der das Erbmaterial von Mann und Frau verschmolzen ist, den Status eines Embryos. Dies führt in Deutschland zu einer stärkeren Reglementierung von Verfahren der künstlichen Befruchtung als in anderen europäischen Ländern.

Herzlichen Dank an Frau Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Verena Nordhoff für den interessanten Einblick in die Arbeit am Institut für Reproduktionsmedizin!

(Slotty)