Geklärt

Exkursion des Biologie-LKs des 3. Semesters zur Hauptkläranlage in Münster-Coerde

Die Wahrnehmung von Gerüchen kann intensive Emotionen auslösen – und Informationen, die mit Emotionen verknüpft sind, lassen sich besser lernen. Aus neurobiologischer Sicht bietet die Hauptkläranlage in Münster daher ideale Lernbedingungen. Unter fachkundlicher Begleitung von Herrn Brüggemann folgten wir dem Weg der Haushaltsabwässer aus dem Stadtgebiet Münsters.

Die zufließenden Abwässer werden zunächst mit Rechen grob gereinigt. In den herausgesiebten groben Partikeln entdeckten Studierende eine fast noch gute Zahnbürste. Die Chance, Geldscheine oder Omas verlorene Prothese hier wieder zu finden, ist jedoch verschwindend gering.

Die mechanische Abwasserreinigung umfasst neben der Rechenanlage noch einen Sandfang und ein Vorklärbecken. Dort setzen sich bei geringer Fließgeschwindigkeit kleinere Partikel als Schlamm ab. Dieser wird in die großen Faultürme gepumpt, in denen Bakterien die organischen Stoffe abbauen und dabei hauptsächlich Methan, das in einem Blockheizkraftwerk zur Stromgewinnung eingesetzt wird, freisetzen. Zusätze führen dazu, dass der übrig bleibende Faulschlamm in großen Pressen besser entwässert werden kann. Sie führen aber auch zur Freisetzung von Ammoniak, so dass es bei der Besichtigung des Gebäudes einige sehr eilig hatte, die Schlammentwässerungsanlage wieder zu verlassen. Da er Stickstoff- und Phosphorverbindungen enthält, ist der Klärschlamm ein guter Dünger und wird zu diesem Zweck auf Felder ausgebracht.

Nach der mechanischen Reinigung folgt die biologische Reinigung des Abwassers: hier bauen Bakterien, gesteuert von einem Wechsel zwischen sauerstoffreichen und sauerstoffarmen Bedingungen, vor allem Stickstoffverbindungen ab. Für Gewässerökosysteme ist ein Überschuss an Ammonium, Nitrit oder Nitrat sehr schädlich, da er zu Algenblüten und dem „Umkippen“ des Gewässers führen kann. Die Bakterien in der biologischen Reinigungsstufe setzen die Stickstoffverbindungen zu gasförmigem Luftstickstoff um, der die Umwelt nicht belastet.

Im Nachklärbecken lagert sich der Belebtschlamm, der hauptsächlich aus Bakterien besteht, am Boden ab. Zurück bleibt klares Wasser, das in Gewässer geleitet wird. Die Qualität des Wassers wird ständig überprüft, es enthält in Münster deutlich weniger Belastungen als rechtlich zulässig. In der Planung ist jedoch die Einrichtung einer 4. Reinigungsstufe, die dann auch gering konzentrierte, biologisch nicht abbaubare Stoffe wie Arzneimittelrückstände, Hormone und Mikroplastik entfernt.

Insgesamt dauerte die Führung durch die Anlage fast doppelt so lange wie veranschlagt. Das lag zum einen an dem überraschend stabilen Wetter, zum anderen aber an unserem Exkursionsleiter Herrn Brüggemann, der sichtlich Spaß daran hatte, den sehr interessierten Studierenden Fragen zu der Anlage zu beantworten.

(Slotty)