Kohle – Kumpel – Kulturhauptstadt

Fahrt der Geschichtskurse des 4. Semesters nach Essen

Am 21. September 2016 besuchten Studierende des 4. Semesters bei strahlendem Sommerwetter das Ruhrgebiet. Ziel war die Metropole Essen mit zwei echten Highlights der Industriekultur: Zum einen das Weltkulturerbe „Zeche Zollverein“ und zum anderen die „Villa Hügel“, den mondänen Familiensitz der Dynastie Krupp.

Bei der Führung durch das Werksgelände der „Zeche Zollverein“ erhielten die Studierenden wichtige Informationen zur Geschichte des Kohlebergbaus im Ruhrgebiet im 19. und 20. Jahrhundert. Nicht nur die katastrophalen und gefährlichen Arbeitsbedingungen der Kumpel und die Bedeutung des Ruhrgebietes für die Gesamtwirtschaft des Industriestandortes Deutschlands waren Themen, sondern insbesondere die unglaubliche Veränderung des Ruhrgebietes seit dem Ende des Bergbaus seit den 1980er Jahren. Im Rahmen des Strukturwandels ist aus dem ehemaligen „Kohlenpott“ eine moderne Dienstleistungsregion geworden, eine „Kulturhauptstadt“ in Europa mit zukunftsweisenden Beschäftigungssparten. Doch damit drängen sich die Fragen der Zukunft auf: Die Sicherung von Arbeitsplätzen in einer technologischen Welt und die Probleme der Ewigkeitskosten nach Beendigung des Bergbaus sind nur zwei der besonders evidenten Herausforderungen.

Besonders eindrucksvoll war der Blick vom Dach der Kohlenwäsche über das „grüne“ Ruhrgebiet mit den gut sichtbaren Stadtzentren von Essen, Duisburg, Oberhausen, Gelsenkirchen oder der Arena auf Schalke und dem Alpincenter in Bottrop. Viele Industrierelikte gibt es noch, sie werden einer modernisierten Nutzung zugeführt. Aber es gibt nur noch eine aktive Steinkohleabbauzeche – Zeche Prosper-Haniel in Bottrop. Und die arbeitet nur noch bis 2017 – dann ist der Bergbau im Ruhrgebiet im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte.

Doch ein Besuch in Essen wäre unvollständig ohne einen Besuch der Villa Krupp! Die Zahlen sprechen für sich: 269 Räume und 8100 qm Wohn- und Nutzfläche, umgeben von einem 28 ha großen Park! Das errichtete sich der Großindustrielle und „Selfmademan“ Alfred Krupp im 19. Jahrhundert als „Chef“ des damals größten Industrieunternehmens der Welt! Weiträumige Flure, extravakante Ausstattung, beeindruckende Büchersammlungen, großformatige Bilder… und doch: Als gemütlich und wohnlich wurde die imposante „Villa“ von den Studierenden nicht empfunden. Sie fühlten sich im sonnigen Park sichtbar wohler!

Was bleibt? Die spürbare Diskrepanz zwischen historischer Arbeiterwelt und Industriellenwelt, zwischen gegenwärtiger Kultur- und Dienstleistungsgesellschaft und Trinkhallenkultur in der Region zwischen Emscher und Lippe. Eine Diskrepanz, die bis heute das Ruhrgebiet prägt und lebendig hält.

(Dr. Ingo Stöckmann)