Raum und Zeit

Kurz vor den Sommerferien verabschiedete das Overberg-Kolleg, das Weiterbildungskolleg des Bistums Münster, die 33 Abiturient*innen des Abiturjahrgangs 2019.1 feierlich am vergangenen Freitag in die lang ersehnte Freiheit. Drei Jahre hatten die Studierenden die Schulbank gedrückt, um ihr Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg zu erwerben.

Thematisch standen die Feierlichkeiten ganz im Zeichen Hermann Hesses, denn das Motto, das der Abiturjahrgang gemeinsam mit der Schulseelsorge ausgesucht hatte, entstammte einem seiner bekanntesten Gedichte: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“

Bereits Dr. Holger Bauer griff im Abiturgottesdienst dankbar den Aspekt des Raumes auf, der in dem Hesse-Gedicht thematisiert wird, und gab den Studierenden einige Wünsche mit auf ihren Weg: „Ich wünsche Ihnen sehr die Erfahrung eines Durchatmens, eines befreiten Luftholens nach dieser Abiturzeit. Ich wünsche Ihnen, dass Sie entdecken, dass Ihre Füße auf weiten Raum gestellt sind. Und ich wünsche es Ihnen, dass Sie diesen Raum einnehmen, mit festen und federnden Schritten durchmessen, den Frei-Raum zu Ihrem Raum machen.“

Carina Schlüter und André Schulte nahmen stellvertretend für den Abiturjahrgang einen weiteren Aspekt des Textes auf, den der Zeit, und warfen auf einer Zeitreise zurück zu ihrem ersten Tag am Kolleg einen Blick auf den von Hesse beschriebenen Anfang: „Fast alle von uns haben vor drei Jahren eine Entscheidung getroffen, die weitreichende Konsequenzen für unsere Zukunft haben sollte – wir haben uns für das Overberg-Kolleg und somit für das Verlassen unserer bisherigen Laufbahnen entschieden, um das Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg zu erlangen. Das erforderte einen starken Gestaltungswillen und Mut diesen Weg zu gehen.“

Dass sich diese Zeit gelohnt hatte, machte Jennifer Isken vom Studierendenausschuss (StA) deutlich: „Ihr habt am Overberg-Kolleg wichtige Kompetenzen wie Sozialverhalten und Teamfähigkeit entwickeln können. So war auf jede*n von Euch immer Verlass, wenn es darum ging, andere Studierende zu unterstützen.“

Auch Stufenleiter Dr. Ingo Stöckmann teilte diese positive Einschätzung der Abiturient*innen in seiner Festrede: „Was mich beeindruckt hat, war die große Neugierde, die Sie an den Tag gelegt haben. Viele von Ihnen haben herausragende Leistungen erbracht, Sie alle haben sich mit Disziplin und Tatkraft bis zum Erfolg des Abiturs durch den Lernstoff gebissen.“

Kollegleiter Ansgar Heskamp warf abschließend in seiner Rede über die Herausforderungen der modernen Gesellschaft auch einen Blick in die Zukunft der jungen Erwachsenen: „Ich möchte Sie einladen, gemeinsam über ihre nahe Zukunft nachzudenken. Ich denke, dass ich es Ihnen schuldig bin, Ihnen in diesem Moment auch ein wenig Mut zu machen, künftige Herausforderungen mit Freude anzunehmen. Dass sie Mut und die Zuversicht haben, unsere Welt gut zu machen. Eine Gesellschaft ist nicht zukunftsfähig, wenn sie von der gnadenlosen Lust bestimmt ist zu demütigen und zu zerstören. Eine Gesellschaft ist nur dann zukunftsfähig, wenn ein echtes Interesse der Menschen aneinander besteht, voneinander und miteinander zu lernen und neugierig zu sein. Und gerade in Ihrem Semester ist zu beobachten, dass Sie ein echtes Interesse an den Menschen hier am Kolleg und darüber hinaus haben.“

Musikalisch wurde der Festakt stimmungsvoll durch Beiträge der Musik-AG des Overberg-Kollegs umrahmt.