Vortrag Razakou Aboubakari

Fluchtursachen am Beispiel Togo

Am Samstag, den 13. Januar 2024 fand im Overberg-Kolleg eine interessante Veranstaltung zum Thema „Fluchtursachen am Beispiel Togo“ statt, organisiert von „Afrikanische Perspektiven e.V.“ in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Afrique-Europe-Interact, der Togo-AG des Overberg-Kollegs und dem „Eine-Welt-Forum Münster e.V.“

Razakou Aboubakari, Koordinator des togoischen Sektion des Netzwerks „Afrique-Europe-Interact“ – einem transnationalen Netzwerk aus drei europäischen und sieben afrikanischen Ländern – berichtete über seine Arbeit mit jungen Menschen in Sokodé (Zentraltogo), die das Land verlassen wollen. Sie sollen sensibilisiert werden für Gefahren und Risiken der Migration, beispielsweise bei Routen durch die Sahara oder über das Mittelmeer. Grundsätzlich betonte aber Herr Aboubakari das Recht auf Bewegungsfreiheit und selbstbestimmte Entwicklung, die die freie Entscheidung des Einzelnen zu bleiben oder wegzugehen, einschließt.

Seine Arbeit dient auch dem Empowerment von Frauen, indem Frauengruppen unterstützt werden, die Spar- und Kreditgemeinschaften bilden oder Kleingewerbe aufbauen, um Einkommen zu erwirtschaften und somit dem teuren Leben „la vie chère“ zu begegnen.

Der Vortrag, auf Französisch gehalten und von Lars Springfeld übersetzt, beleuchtete schwerpunktmäßig den Zusammenhang zwischen Migration, der politischen Lage in Togo und den ökologischen Auswirkungen des Klimawandels.

Die Autokratie der Gnassingbé-Familie, die seit dem Militärputsch von 1967 in Togo regiert, Repressionen gegen die demokratische Opposition und die Bedrohung durch Jihadisten im Norden des Landes tragen zur unsicheren Lage bei, die viele Menschen zur Migration treibt.

Im Land finden Wahlen statt, die von internationalen Wahlbeobachtern begleitet werden, doch führen – laut Einschätzung des Referenten – Repressionen zu Angst und Schweigen über die tatsächliche Situation der Regierung, die sich einen demokratischen Anstrich gibt. Der Referent wirft in diesem Kontext die Frage nach der Verantwortung der internationalen Gemeinschaft auf. Das brutale Vorgehen gegen die demokratische Opposition und der Verlust der Hoffnung auf einen politischen Wandel ist ein Grund dafür, dass viele Menschen das Land verlassen.

Der Referent thematisierte auch die Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die gestiegenen Preise in Togo, die die Lebensunterhaltskosten erhöhen.

Weitere Gründe für Migration sind die Folgen der Klimaerwärmung. Insbesondere Dürren, Überschwemmungen und Störungen im Ablauf der Jahreszeiten bedrohen die Landwirtschaft (über 50 % der Bevölkerung) und führen zu Ernteausfällen. Konflikte zwischen Ackerbauern und Viehzüchtern verschärfen die Situation zusätzlich.

In der Pause und im Anschluss an die Präsentation gab es die Möglichkeit, Fragen an den Referenten zu stellen, wovon lebhaft Gebrauch gemacht wurde. Zusätzlich konnten die Teilnehmer:innen Informationsmaterial am Büchertisch erwerben oder Kunsthandwerk aus Togo, präsentiert von der Togo-AG des Kollegs.

Razakou Aboubakari beendete seine Veranstaltung mit einem afrikanischen Ritual der Wertschätzung und Verbundenheit mit den Anwesenden. So klang der interessante Themenabend stimmungsvoll aus.